Posaunenchor Bechhofen
Ein außergewöhnliches musikalisches Erlebnis liegt hinter den Mitgliedern des Posaunenchors Bechhofen und der Bezirkschorleiterin im Bezirk Wassertrüdingen, Julia Heumann.
Gemeinsam mit Bläserinnen und Bläsern aus insgesamt acht Chören bildeten sie den Projektchor „Bläser vom Hesselberg“ und beteiligten sich am geglückten Weltrekordversuch in der Nürnberger Jakobskirche.
In den letzten Juli-Tagen fand in der Jakobskirche in Nürnberg ein großes musikalisches Spektakel statt: Das längste gestaffelte Bläser-Konzert, das die Welt je gesehen und vor allem gehört hat. Der Verband evangelischer Posaunenchöre in Bayern e. V. hatte zu dem Weltrekordversuch eingeladen. Dafür musste der bisherige Rekord von 24 Stunden überboten werden, der 2023 in Hamburg aufgestellt worden war. In Nürnberg sollte 72 Stunden lang ununterbrochen Bläsermusik erklingen. Zwischen den einzelnen Musikstücken durften nur wenige Sekunden Pause liegen.
Der Rekordversuch begann am 30. Juli 2026. Insgesamt musizierten rund 1.800 Personen in der Jakobskirche. Jeweils drei Chöre teilten sich einen anderthalbstündigen Zeitslot und wechselten sich dabei ab. Am 2. August 2026 um 9 Uhr endete die Veranstaltung nach einem feierlichen Countdown erfolgreich. Mit 72 Stunden erreichte der Verband evangelischer Posaunenchöre in Bayern den Weltrekord für das längste gestaffelte Bläser-Konzert.
Der Impuls zur Teilnahme war vom Verband der evangelischen Posaunenchöre in Bayern ausgegangen. Organisiert wurde der Rekordversuch von Thomas Engelbrecht. Für Birgit Abt, Leiterin des Posaunenchors Bechhofen, war die Idee zunächst mit einer gewissen Skepsis verbunden. "Das ist eine tolle Idee", habe sie gedacht. Zugleich sei jedoch schnell klar gewesen, dass der Bechhöfer Chor allein zu wenige Bläserinnen und Bläser für ein solches Vorhaben aufbieten könne.
Da kam Julia Heumann aus Altentrüdingen ins Spiel. Sie musiziert regelmäßig in Bechhofen mit und konnte weitere Mitwirkende gewinnen. So entstand der Projektchor „Bläser vom Hesselberg“ mit insgesamt 17 Personen. Die Musikerinnen und Musiker kamen aus acht Chören des neuen Dekanats an Sulzach und Wörnitz sowie aus Bechhofen im Dekanat Ansbach.
„Leider war kein einziger Einzelchor aus dem südlichen Landkreis Ansbach dabei“, bedauert Heumann. Umso wichtiger sei die übergreifende Zusammenarbeit gewesen. Bis der Projektchor zusammengestellt war und die Stimmverteilung passte, sei einiges an Vorarbeit notwendig gewesen. Drei Proben wurden angesetzt. Außerdem mussten die teilnehmenden Chöre ihre Stücke vorab mithilfe einer Setlist einreichen.
Jeder Chor hatte in seinem Zeitfenster 40 Minuten reine Spielzeit. Die Gesamtleitung plante den Ablauf genau. Wiederholungen einzelner Stücke während der 72 Stunden waren dabei unvermeidlich. Auch die Setlists der beiden anderen Chöre im jeweiligen Zeitslot erhielten die Musikerinnen und Musiker vorab, damit die Einsätze möglichst passend geplant werden konnten.
Der Projektchor „Bläser vom Hesselberg“ war als zweiter Chor in dem Zeitfenster eingesetzt. Sein Einsatz fand von 10.30 bis 12 Uhr statt. Gemeinsam mit dem Chor aus Görlitz sowie dem Bezirkschor Emskirchen mit Hagenbüchach und Wilhermsdorf musizierten die Bläserinnen und Bläser in der Jakobskirche.
Bereits die Anreise musste genau geplant werden. „Die Startzeit musste unbedingt eingehalten werden, eine Verspätung konnten wir uns nicht leisten“, berichtet Abt. Die Mitglieder des Chors reisten mit dem Auto oder der Bahn an. Für Heumann und ihre Mitreisenden wurde die Anfahrt tatsächlich zu einer kleinen Herausforderung: Der Zug aus Wassertrüdingen hatte Verspätung. Glücklicherweise habe der Anschlusszug in Pleinfeld auf die Gruppe gewartet. In Nürnberg erschwerte zudem das gleichzeitig stattfindende Bardentreffen den Weg durch die Stadt.
Vor dem Auftritt herrschte gespannte Vorfreude. „Keiner will derjenige sein, an dem der Weltrekord scheitert“, fasst Heumann die Stimmung zusammen. Abt ergänzt: „Wir waren alle hochkonzentriert.“
Die Übergänge zwischen den Chören konnten vorher nicht gemeinsam geprobt werden. Zwischen den Musikstücken durften höchstens zehn Sekunden Stille entstehen. Um den Ablauf zu erleichtern, waren die Sitzplätze in der Jakobskirche fest zugeteilt. Während ein Chor musizierte, räumte die nächste Gruppe ihren bisherigen Platz und nahm nach einer Einbahnstraßenregelung den vorgesehenen Sitzplatz ein. Schilder wiesen den Weg.
„Alles war top organisiert“, lobt Heumann die Verantwortlichen. Bis auf zwei Stücke habe der Projektchor alle vorbereiteten Werke spielen können. Musikalischer Höhepunkt des Hesselberger Chors sei das Stück „Seid fröhlich in Hoffnung“ gewesen.
Auch die Rahmenbedingungen in der Kirche erwiesen sich als günstig. St. Jakob am Weißen Turm war gut mit der U-Bahn erreichbar und verfügte über ausreichend sanitäre Anlagen. Mineralwasser und Brezen wurden gesponsert, für das Gepäck gab es eine Aufbewahrungsmöglichkeit. Zahlreiche sachkundige Helferinnen und Helfer unterstützten die Veranstaltung.
Zum Auftritt der „Bläser vom Hesselberg“ waren auch Angehörige der Musizierenden nach Nürnberg gekommen. Außerdem unterstützten das Bechhöfer Pfarrersehepaar Thorsten und Katharina Wolff die Gruppe vor Ort. Im Verlauf der 72 Stunden stieg die Zahl der Zuhörerinnen stetig an. Der abschließende Gottesdienst war schließlich völlig überfüllt.
Eine offizielle Vertretung der Guinnessbuch-Redaktion war nicht vor Ort. Deshalb mussten die Verantwortlichen den gesamten Ablauf besonders sorgfältig dokumentieren, damit der Rekord anerkannt werden konnte. Nach drei Tagen Dauerbläsermusik stand schließlich fest: Der Weltrekordversuch war geglückt.
Für Birgit Abt liegt die besondere Bedeutung der Aktion jedoch nicht allein im Rekord. „Oft fühlt man sich als Einzelkämpfer allein auf weiter Flur“, sagt sie. In Nürnberg habe sie erfahren, dass die Posaunenchöre Teil einer großen Gemeinschaft Gleichgesinnter seien. Diese Erkenntnis sei für sie sogar wichtiger als der Weltrekord selbst.
Zudem habe die Veranstaltung viele Menschen erreicht, die im Alltag nur wenig Kontakt zu Kirche und Gottesdienst hätten. Gerade die Posaunenchöre besäßen eine besondere verbindende Kraft: „Hier spielen vom Schulkind bis zum Hochbetagten alle zusammen“, betont Abt.
Der Posaunenchor Bechhofen blickt unterdessen bereits auf das nächste besondere Ereignis. Am 4. Oktober, dem Erntedankfest, feiert der Chor sein 70-jähriges Bestehen mit einem Festgottesdienst. Außerdem wird eine Bilderausstellung eröffnet. Nach der Sommerpause finden die regelmäßigen Proben wieder montags um 19.30 Uhr im evangelischen Gemeindehaus statt – neue Musiker seien gerne gesehen.
Foto/Text: Johannes Flierl





