Vespa-Sammlung im "Museums-Areal"
Theo Däschlein hat eine Dauerausstellung zur Geschichte der Motorrollermarke Vespa eingerichtet.
Der 70-jährige Inhaber eines Auto- und Zweiradhauses aus Bechhofen ist ein erfolgreicher Motorsportler, der darüber hinaus seit Jahrzehnten tief in der Szene der „Vespisti“ verankert ist. So nennt man die Freunde des legendären italienischen Zweirades. Die Vespa wurde 1946 von dem italienischen Unternehmen Piaggio als kostengünstiges Massenverkehrsmittel für die Nachkriegszeit entwickelt. Der Konstrukteur Corradino D’Ascanio entwarf das Fahrzeug unter Verwendung von Flugzeugkomponenten, was die charakteristische Bauweise mit Durchstieg prägte. Aufgrund ihrer markanten Silhouette und des Motorengeräuschs erhielt sie den Namen „Vespa“, italienisch für Wespe. Der Roller entwickelte sich rasch vom funktionalen Transportmittel zum globalen Designklassiker. Auch heute noch produziert Piaggio das Modell in kontinuierlich weiterentwickelten technischen Varianten.
Theo Däschlein hatte schon vor einigen Jahren auf seinem Betriebsgelände eine Dauerausstellung mit zahlreichen Exponaten zum Motorsport und im Speziellen zu italienischen Klassikern eingerichtet – etwa fünfzig Fahrzeuge zählt seine Sammlung. Im vergangenen Sommer ereilte ihn der Ruf, im neu aufgestellten gemeindlichen Museum wiegen + messen eine Sonderausstellung zur Kirchweih einzurichten, welche auf große Resonanz stieß. Nach deren Ende reifte in Däschlein der Gedanke, in dem weitläufigen Areal der Gemeinde in der Feuchtwanger Straße eine eigene Dauerausstellung einzurichten. An Platz mangelt es auf dem früheren Betriebsgelände der Bürstenfabrik Schellenberger nicht.
Der nun von dem Motorrollerenthusiasten bezogene Raum hat den Charakter seiner industriellen Vergangenheit behalten und musste zunächst von Gerümpel befreit werden: Lediglich die unter Hälfte der Wände wurde neu gestrichen – der Rest ist im Originalzustand. So hängen etwa die alten Leuchten aus der früheren Zeit weiter in dem Museumsraum. Das Mobiliar hat Theo Däschlein aus dem Materiallager in dem Gelände zusammengetragen: Ein Tisch mit Stühlen für gesellige Zusammenkünfte gehört genauso dazu wie das alte Waschbecken und eine Werkbank. Mit dieser hat der 70-Jährige eine Schauwerkstatt eingerichtet: Dort kann man etwa einen zerlegten Motor bestaunen. Hinzu kommt eine originale Hebebühne von Vespa, die drehbar ist. Daneben steht ein Fahrrad aus dem Jahr 1935. Für das gehörige Kolorit sorgen viele mit kundiger Hand arrangierte Devotionalien der Marke Vespa: Kalender, historische Werbetafeln oder Rennsportplakate. Der Motorrollerspezialist bekundet: Es ist mein Hobby, meine Leidenschaft.“ Er sehe sich als Einzelkämpfer, der das Museum ehrenamtlich in Eigenregie betreibe.
Überhaupt sprudelt er über von vielen Ideen für die weitere Nutzung der Räumlichkeiten und Veranstaltungen. Hierfür hat eine Eichstätter Brauerei im Zusammenspiel mit einer Rottnersdorfer Gastwirtschaft fünf Bierzeltgarnituren gestiftet. Unter den Fahrzeugen finden sich limitierte Sondereditionen von Vespa, weltweit einzigartige Unikate und Eigenbauten von Däschlein, der sich viele Jahre lang mit dem Bau von Gespannen – also Zweirädern mit Beiwagen – deutschlandweit einen Namen machte. In dem neuen Museum will Däschlein die historische Entwicklung der Marke Vespa erfahrbar machen: Für jedes Jahrzehnt seit den 1950ern steht ein Fahrzeug neben dem anderen. So würden die Änderungen an der Karosserie nachvollziehbar. Zudem finden sich Kuriositäten mit Kultcharakter wie eine Militär-Vespa oder ein Gespann, mit dem zwei Journalisten einst im Winter ans Nordkap gefahren sind. Von dieser abenteuerlichen Reise kann man auf dem im Museum installierten Fernsehgerät ein Video betrachten. Viele andere Filme stehen zusätzlich zur Auswahl.
Das Museum sei Ausdruck seiner 40-jährigen Sammelleidenschaft bekundet Däschlein – ein regelmäßiger Wechsel der Fahrzeuge sei geplant. Er betont, dass Vespa in Italien als nationales Kulturerbe anerkannt sei. Das Museum ist wie das wiegen + messen bis in den Herbst hinein jeden Sonntag von 13:30 bis 17:00 Uhr geöffnet. Bislang sei es nicht vorgesehen, im Winter zu heizen. Toiletten und Parkplätze befinden sich vor Ort. Der Museumsmacher betont, dass der barrierefreie Zugang zu seiner Sammlung möglich ist.
Auch die junge Generation hat Däschlein im Blick: Am Bechhöfer Ferienprogramm soll heuer ein Motorroller von Kinderhänden mit Symbolen der Marktgemeinde bemalt werden. Für die am vierten Juliwochenende anstehende Bechhöfer Kirchweih hat der Zweiradspezialist viel vor: Im Hof des Museumsareals ist ein großes Treffen der Szene mit einer Ausstellung von Zweirädern geplant. Zudem ist eine Sonderausstellung mit Rennmotorrädern vorgesehen, die Däschlein als regelmäßiger Teilnehmer der Motogiro d’Italia bestens zu organisieren weiß:
Er kennt viele Leute aus der internationalen Motorsportszene und ist zudem bei Vorträgen ein gefragter Redner. Bei einer Führung informierte Theo Däschlein den Marktgemeinderat über das neu entstandene Museum – Bürgermeister Sven Waidmann war ohnehin eng in die Erarbeitung der Ausstellung eingebunden gewesen. Das Gemeindeoberhaupt plädierte dafür, für das weitläufige frühere Fabrikgelände künftig den Namen „Museumsareal“ zu verwenden. So werde die heutige Nutzung sichtbar.
Gleichwohl sind große Teile der früheren Bürstenfabrik weiterhin ungenutzt: Aus dem Bürogebäude ist der Kindergarten St. Katharina wieder ausgezogen und nutzt den Neubau in der Ziegeleistraße. Im früheren Hochregallager haben die Feuerwehr und Ortsvereine Material untergebracht: So finden sich dort mittlerweile Weihnachtsmarktbuden und das Sandsacklager der Marktgemeinde für Hochwassereinsätze.
Heimatpflegerin Claudia Dommel hat die Idee aufgeworfen, nahe der Museen einen Raum einzurichten, wo man mit Ortsführungen starten könnte: Dort ließen sich komprimiert Information zu Historie Bechhofens – insbesondere zur jüdischen Geschichte – darbieten, um in die Touren für Tagesgäste einzusteigen. Bürgermeister Sven Waidmann begrüßte diesen Vorschlag und sieht so einen Raum als „Impuls für weitere Entwicklungen“. Dennoch werde man auch im Erdgeschoss aus Brandschutzgründen nicht alle Räume unmittelbar nutzen können. Am Ende der Führung bekannte Theo Däschlein: „Ich möchte ein lebendiges Museum!“
Foto/Text: Johannes Flierl









