Rumänisch-orthodoxe Gemeinde
Seit Ende letzten Jahres wird die Katharinenkirche am Marktplatz von einer im Entstehen begriffenen Kirchengemeinde der rumänisch-orthodoxen Glaubensrichtung mitgenutzt.
Bislang hatte es für den ganzen Landkreis lediglich in Ansbach Gottesdienste dieser Konfession gegeben. Aufgrund der großen Anzahl an EU-Bürgern aus dem südosteuropäischen Land hier in der Region war man dort räumlich und personell an seine Grenzen geraten. Zudem hatten die Gläubigen aus dem südlichen Landkreis weite Fahrtstrecken zu bewältigen. Darum ging die Gemeinschaft um ihren Priester Ioan Pop auf die Suche nach einem Gotteshaus, bei dem auch genügend Parkplätze vorhanden sind.
Fündig wurde man in Bechhofen: Die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde unterhält am Marktplatz zwei Kirchen: Die seit 1921 als Gemeindekirche fungierende große Johanniskirche und die kleine Katharinenkirche: Erstmals wurde im Jahr 1400 in einem Ablassbrief des Eichstätter Bischofs Eyrich eine Schlosskapelle „Sanctae Katharinae“ erwähnt. Die Bechhöfer Ortsritter von Seckendorff-Pfaff hatten diese im Privatbesitz. Der Markgraf von Ansbach übernahm 1618 den Besitz der Seckendorff und stellte die Kirche der Ortsbevölkerung zur Verfügung. Doch die vormalige Schlosskapelle war wohl baufällig und zu klein, sodass die Katharinenkirche in ihrer heutigen Form durch den Hofbaumeister Johann David Steingruber 1780 entstand. Im Jahre 1889 wurde eine umfassende Renovierung im markgräflichen Stil durchgeführt. Mehrere Innenrenovierungen im 20. Jahrhundert veränderten das Gesicht des Gotteshauses stark. Sie wurde unter anderem zu einer Kriegergedächtnisstätte umgestaltet. Fünf Glocken läuten im Turm der Katharinenkirche – die Marktglocke gibt Zeugnis von den sieben großen Jahrmärkten, die Bechhofen einst zu einem Marktzentrum werden ließen. Die große Außenrenovierung 2009 ließ das Gotteshaus zu einem wahren Schmuckstück im Ortskern werden. Heute findet der Großteil des evangelisch-lutherischen Gemeindelebens in der nahen Johanniskirche statt. Doch die Bechhöfer hängen an ihrer alten Kirche – dies zeigt sich auch daran, dass dort gerne Taufen und Trauungen gefeiert werden. Zudem wird die Katharinenkirche nach Weihnachten für einige Wochen als Winterkirche genutzt, um Heizkosten zu sparen. Ganz besonders rückt das Gotteshaus bei den weltlichen Feierlichkeiten der Kirchweih am vierten Juliwochenende in den Fokus.
Doch in Zeiten sinkender Kirchensteuereinnahmen stellt der Unterhalt der kirchlichen Gebäude die Ortsgemeinden vor zunehmende Herausforderungen. Pfarrer Thorsten Wolff berichtet von angenehmen und zielführenden Gesprächen im Vorfeld: So werde das Kirchlein der orthodoxen Gemeinde nicht überlassen, sondern von dieser nur mitgenutzt. Vorrang haben die Gottesdienste der Eigentümerin - so findet vom 10. Januar bis Ende März der Hauptgottesdienst der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde winterbedingt weiterhin dort statt. Und auch der Kirchenschmuck der neuen Nutzer ist nur provisorisch angebracht: Denn im Glaubensleben der orthodoxen Christen spielen Heiligenbilder eine große Rolle. Diese Ikonen werden auf Roll-Ups in den Kirchenraum gestellt und können nach Ende des Gottesdienstes im Handumdrehen wieder abgebaut werden, sodass auch dem Denkmalschutz für den im schlichten Markgrafenstil ausgestatten Kirchenraum Genüge getan wird. Doch auch sonst unterscheidet sich der rumänisch-orthodoxe Gottesdienst stark von hierzulande gewohnten Abläufen: Es spielt keine Orgel und es gibt auch keinen Gemeindegesang. Darum lebt die Liturgie stark von der menschlichen Stimme: Weite Teile des Gottesdienstes bestehen aus liturgischen Wechselgesängen zwischen dem Priester im Altarraum und dem von der Empore singenden Diakon. Hinzu kommt ein mehrköpfiger Männerchor. Die Gläubigen stehen oder knien über weite Teile des über zwei Stunden dauernden Gottesdienstes. Wie im römisch-katholischen Ritus wird Weihrauch verwendet. Anders als etwa die orthodoxen Russen richtet sich die rumänisch-orthodoxe Kirche nach dem gregorianischen Kalender und feiert so auch ab dem 24. Dezember Weihnachten.
Dass mittlerweile viele Menschen aus Rumänien nicht nur hier arbeiten, sondern sich auch mit ihren Familien hier niedergelassen haben, beweisen die Kinder und Jugendlichen, die dem Gottesdienst beiwohnen. Vor der eigentlichen Messe findet der Akathist statt – dieser teil ist wohl am ehesten mit dem Rosenkranz vergleichbar. Der Priester ist mit Vorbereitungen für die Heilige Liturgie beschäftigt und stimmt im Wechsel mit dem Diakon auf der Empore immer wieder Gesänge an: Manche Melodien wirken für westliche Ohren mitunter orientalisch, sind jedoch sehr gut eingeübt und klangvoll. Andere Tonfolgen sind auch aus der evangelischen oder katholischen Kirchentradition bekannt. Während dieser Vorphase des Gottesdienstes kommen die Gläubigen zeitversetzt an, entzünden eine Kerze, küssen die Heilige Schrift und bekreuzigen sich vor den Ikonen. Auf Zetteln übergeben die Ankommenden Gebetsanliegen an den Priester. Das Glockengeläut der Katharinenkirche wird ebenfalls für die Messe genutzt.
Die Heilige Liturgie beginnt mit der Antiphon: Einem Wechselgesang von Psalmversen, den wiederum Priester, Chor und Diakon anstimmen. Weitere zentrale Elemente sind das Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel und das Vaterunser – beides wird sowohl auf Deutsch als auch auf Rumänisch gesprochen. Die Liturgie und die Predigt hingegen finden in rumänischer Sprache statt. Im Zentrum der Messe steht die Eucharistie: Hierfür bereitet der Priester in einer langen Prozedur die Hostie vor: Diese wird in Säckchen an die Gottesdienstbesucher ausgegeben. Sie nehmen das geweihte Brot mit nachhause, denn zu dessen Genuss müssen sie verschiedene Voraussetzungen erfüllen: So müssen sie etwa nüchtern sein und gebeichtet haben. Während der Zeremonie geht der Priester mit Brot und Wein durch den Kirchenraum und berührt alle Anwesenden damit am Kopf. Nach dem Schlusssegen empfangen die Gläubigen ein Kreuzzeichen mit heiligem Öl.
In orthodoxer Tradition wird der ehrenamtliche Priester Ioan Pop „Vater“ der neuen Gemeinde genannt – im Hauptberuf ist er bei der Diakonie Neuendettelsau angestellt. Er lebt mit seiner Familie in Sachsen bei Ansbach. Die orthoxe Tradition kennt im Übrigen kein Priesterzölibat – ganz im Gegenteil darf sich dort ein Geistlicher erst Priester nennen, wenn er in den Stand der Ehe getreten ist. Weitere Strukturen wie ein Rat sind laut den Gemeindegliedern gerade im Entstehen. Wie von den Gottesdienstbesuchern zu vernehmen war, fühlen sie sich in Bechhofen wohl und gut aufgenommen. Und auch die für die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde ergäben sich laut Pfarrer Thorsten Wolff Vorteile: Nach einer Übergangszeit solle eine monatliche Miete entrichtet werden. Zudem beteiligen sich die neuen Nutzer am Unterhalt der Katharinenkirche, indem sie etwa Reinigungsarbeiten ausführten. Ioan Pop und seiner Gemeinde liegt es am Herzen, den Menschen vor Ort offen gegenüberzutreten. So laden sie ein, ihre Gottesdienste zu besuchen und sich mit den religiösen Gebräuchen vertraut zu machen. Deren Termine sollen künftig unter den Kirchlichen Nachrichten in der FLZ veröffentlicht werden. Die Gottesdienste finden an allen Sonntagen und kirchlichen Festtagen mit vorhergehendem Akathist um 10:30 Uhr statt.
Foto/Text: Johannes Flierl







