Abenteuer Apfelsaft - der etwas andere Bericht über das Pressen mit einer mobilen Saftpresse
Am Samstag, dem 25.10.25, sah ich auf dem Thanner Kerwaplatz Kinder mit großen Augen. Nein, kein Karussell. Es war die mobile Saftpresse der Mosterei Billing aus Weißenburg.
Edwin Billing und sein Mitarbeiter Tobias, welche Kinder und manchen Erwachsenen ins Erstaunen versetzte. Wie aus den eigenen oder selbst aufgelesenen Äpfeln der eigene Saft wird, ist spannend und ein Erlebnis fürs Leben.
Die Äpfel in die Annahme wuchten, mit dem Förderband hoch ins Waschbecken, dann in die Mühle, ab aufs Pressband, der Saft läuft in die Tanks, abwechselnd in zwei verschiedene, damit es keine Überschneidungen gibt zwischen den jeweiligen Partien und jeder seinen Saft bekommt und die mobile Presse keine Zeit stillstehen muss. Der Rest vom ausgepressten Apfel, der Trester, fällt aus der Presse auf einen Anhänger, in ein Fass oder in die Schaufel eines kleinen Radladers und so auf einen Kipper. Daraus wird Viehfutter für: Gänse, Schafe, Ziegen, Schweine, Rinder oder Rehe.
Aus den Tanks läuft der Saft in die Pasteurisierungseinheit, also in die Erhitzung. Bei 80 °C wird der Saft entkeimt. Durch das Abfüllen des heißen Saftes in Beutel und das luftdichte Verschließen wird der Saft haltbar. Es gab 3 Liter, 5 Liter und 10 Liter Beutel. An diesem Tag wurden rund 240 Beutel a 3 Liter, 420 Beutel a 5 Liter und 10 Beutel a 10 Liter gefüllt. Kleine Rechenaufgabe für die Größeren:
a) Wieviel Saft wurde abgefüllt?
b) Wieviel kg Äpfel wurden angeliefert, wenn 65 Liter Saft aus 100 kg Äpfel entstehen können?
c) Wie lange haben wir gepresst, wenn wir je Stunde 1200 kg Äpfel verarbeitet haben?
d) Wie lange wurde gearbeitet, wenn die Presse um 8:00 angekommen ist, der Aufbau 1 Stunde dauert und der Abbau mit der Reinigung der gesamten Anlage 2 Stunden?
Die Lösungen und die Aufgaben e) f) g) erhaltet ihr auf Nachfrage bei mir.
Es waren in Thann rund 30 Anlieferer, jeder eingetaktet in sein Zeitfenster für seinen Termin, von 50 kg bis hoch zu 700 kg aufgelesene Äpfel. Das Angebot nutzten ganze Familien, Väter mit Kindern, tatkräftige Frauen, Menschen von 5 Jahren bis 85 Jahren, vom ehemaligen Professor bis zum Kitakind.
Unser Bürgermeister Herr Sven Waidmann und unser Landtagsabgeordneter Herr Helmut Schnotz informierten sich, nahmen teil und unser lokaler Saft hat jetzt im weitesten Sinne Zugang in Kommunal- und Landtagspolitik. Das Interesse und die Unterstützung durch beide ist sehr groß und wertvoll.
Das alljährliche Saftpressen ist eine Verwertungsmöglichkeit für Streuobst im Markt, welche, wie Herr Bürgermeister Waidmann betonte, auch für andere Dörfer und den Hauptort Bechhofen denkbar ist. Ein kleines Abenteuer vor der Haustür. Es ist durch das Pilotprojekt „Streuobst für Mittelfranken“ des (LPV) Landschaftspflegeverbands Mittelfranken eine Aufgabe für mich als Streuobstpfleger, weitere Verwertungsmöglichkeiten für die Früchte aus landschaftsprägenden Streuobstbeständen zu finden, anzuregen und vorzustellen. Jede Art der Verwertung ist ein wertvoller Beitrag zum Erhalt unserer Streuobstflächen. ‘‘Bis nächstes Jahr wieder‘‘ war der Abschiedsgruß. Das Abenteuer Streuobst im Markt Bechhofen geht weiter.
LPV-Streuobstpfleger Jürgen Oeder





