In Thann ist die Theatersaison zu Ende gegangen.
Zehnmal brachten die örtlichen Theaterfreunde den lustigen Dreiakter „Schmerz lass nach!“ auf die Bühne des evangelischen Gemeindehauses.
In seiner Begrüßung gab der zweite Vorstand der Theaterfreunde bekannt, dass man heuer einen Teil der Einnahmen an die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde spenden werde, um zum Erhalt des Gemeindehauses beizutragen. Die Aufführungen erfuhren hohen Zuspruch – jede Vorstellung war ausverkauft.
Die Handlung der Komodie trägt sich ausschließlich in einer Arztpraxis zu: Die selbstbewusste Medizinerin Dr. Grünspan (Doris Drechsel) bekommt es gleich an ihrem Antrittstag mit allerhand eigenartigen Patienten zu tun. Sie wird dabei souverän von der schlitzohrigen Arzthelferin Doris (Yvonne Schnabel) unterstützt. Denn auf die beiden wartet eine besondere Herausforderung: Es gilt, bei drei Patienten der „Freifürstenklinik“ die Aufnahmeuntersuchung durchzuführen. Denn in dieser ortsansässigen Fachklinik für Psychiatrie herrscht Personalmangel, weshalb auf die niedergelassene Ärztin zurückgegriffen wird.
So finden drei besondere Persönlichkeiten ihren Weg in die Arztpraxis: Didi Houdini (Bernhard Weger) bildet sich ein, der „größte Zauberer der Welt“ zu sein und hantiert immer wieder mit einer Vodoo-Puppe. Klara Pfeifer (Kerstin Engelhard) hat Wahnvorstellungen und sieht allenthalben vermeintliche Tiere. Kalle Bommel (Georg Friedel) leidet unter Schizophrenie, nimmt die verschiedensten Persönlichkeiten an und stiftet damit erhebliche Verwirrrung. Begleitet wird das irre Trio durch den sympathischen Pfleger Berni. Dieser ist anfangs sehr schüchtern. Nach einer Behandlung durch Dr. Grünspan stürzt er sich liebestoll in die Arme der Arzthelferin Doris, die ihm ebenso zugetan ist.
Das Schicksal nimmt seinen Lauf, als der großspuirge Bürgermeister Fritz Gscheidle (Jürgen Schmidt) im Wartezimmer auftaucht, weil er seine Rückenschmerzen behandeln lassen will. Zudem soll bei seiner Mutter Rosa (Simone Herzog) ein Demenztest durchgeführt werden, da er plant, sie in ein Pflegeheim zu bringen. Die beiden werden von Fritz‘ Ehefrau Anni (Brigitte Weger) begleitet, die Kummer gewohnt ist.
Im Lauf der Handlung kommt es zu einigen Verwicklungen und Verwechslungen, als die Familie Gscheidle mit den Patienten aus der Psychiatrie aufeinandertrifft. Denn das Trio schlüpft letzten Endes in die Rolle von Ärzten und nimmt sich des rückenkranken Bürgermeisters an. Das Publikum kam in jedem Akt auf seine Kosten: Für besondere Lacher sorgte Klara, als sie mit ihrem imaginären Hund im Wartezimmer spricht. Szenenapplaus gab es für den Vodoo-Zauber Houdinis, unter dem der Bürgermeister zu leiden hat. Am Ende droht dem Gemeindeoberhaupt gar die Einweisung in die Psychiatrie.
Die zahlreichen Zuschauerinnen und Zuschauer erlebten eine turbulente Komödie, die die Frage aufwirft: Wer ist hier eigentlich wirklich normal?
Foto/Text: Johannes Flierl






