Geschichte Bechhofens

Über die früheste Geschichte von Bechhofen ist sehr wenig bekannt. Man geht aber wohl nicht fehl, wenn man die Entstehung des Ortes in die Zeit zwischen 1100 und 1200 einreiht. Die in früheren Jahrhunderten anzutreffende Schreibweise Pechhofen oder auch Pechoven sowie auch die Tatsache, dass das frühere Bechhofener Wappen vier Gebilde zeigte, die als Pechfackeln gedeutet wurden, lassen vermuten, dass es sich bei den frühesten Ansiedlern um Pechsieder handelte. 1)
Am 17. Februar 1311 wird Bechhofen erstmals urkundlich erwähnt als „Pechoven an der Wisent“. Friedrich VI von Truhendingen verkauft die Weißmannsmühle von Bechhofen an das Kloster Heilsbronn für 80 Pfund Heller. Am 17. Mai 1342 datiert eine Urkunde wonach die Walburgiskirche zu Beyerberg die Mutterkirche von Königshofen, Burk, Wieseth und Sachsbach sei. Es entstand ein Patronatsrecht, welches bis 1617 in den Besitz der Adelsfamilie von Nordenberg, von Pappenheim und von Seckendorff lag. Am 5. September 1351 verlieh Kaiser Karl IV. dem Konrad Küchenmeister, genannt von Forndorf, für seinen Markt Bechhofen das Gerichtsrecht sowie das Recht, an jedem Montag einen Wochenmarkt abzuhalten. Das Gerichtsrecht bestand durch nahezu drei Jahrhunderte – der Name „Galgenbuck“ erinnert heute noch an die mutmaßliche einstmalige Hinrichtungsstätte – und wurde im Jahre 1643 von Kaiser Ferdinand III. für heimgefallen erklärt. Von da an war das Ansbachische Gericht in Feuchtwangen für Bechhofen zuständig. – Dass in der erwähnten Urkunde von 1351, die Bechhofen einen Wochenmarkt einbrachte, der Ort bereits als „Markt Bechhofen“ bezeichnet wurde, lässt darauf schließen, dass Bechhofen zu jener Zeit schon einen Jahrmarkt hatte. Urkunden darüber sind allerdings nicht bekannt.
Am 14. März 1434 verlieh Kaiser Sigismund dem Hans von Seckendorff zwei weitere Markttage für Bechhofen. Später kamen noch weitere Jahrmärkte hinzu, bis es ab 1751 insgesamt jährlich sieben waren. Ab 1796 wurden die Märkte jeweils an den nachfolgenden Sonntagen abgehalten. 2)
Die Jahrmärkte von ehedem hatten freilich eine viel größere Bedeutung als heute. Noch vor zwei oder drei Generationen wurden die Bechhofener Märkte von Händlern und Käufern von weither im Umkreis besucht. Sie bildeten für das Landvolk in einer Gegend, wo der nächste größere Ort in allen Richtungen – Ansbach im Norden, Feuchtwangen im Westen, Dinkelsbühl im Südwesten, Wassertrüdingen im Süden und Gunzenhausen im Südosten – rund 20 km entfernt liegt und damit für die damaligen Verkehrsverhältnisse zu weit, eine gern wahrgenommene Gelegenheit zu einem Sonntagsausflug für die ganze Familie. Alles Notwendige an Kleidung und sonstigen Gebrauchsgegenständen für Haus und Hof konnte bei den Händlern erstanden werden, und die Gastwirte waren anschließend gern und gut um das leibliche Wohl der Marktbesucher besorgt.
Die Händler in alter Zeit lobten Bechhofen nicht nur wegen des guten Marktbesuchs, den sie dort erwarten konnten, sondern auch deshalb, weil der Ort für die damaligen Verhältnisse als von allen Seiten gut erreichbar galt. Er lag nämlich am Schnittpunkt zweier wichtiger Handelsstraßen, von denen die eine von Feuchtwangen nach Gunzenhausen führte und die andere von Nürnberg über Schwabach nach Dinkelsbühl, über die ein großer Teil der Warentransporte von Nürnberg nach Schwaben, nach Frankreich und nach der Schweiz geleitet wurde.
Die günstige Entwicklung der Märkte mag die Ursache dafür gewesen sein, dass Bechhofen bald schon befestigt, d. h. mit einer schützenden Mauer umgeben wurde. Drei Tore gewährten Zugang zum Ort, von denen das letzte, das nach Norden führende, erst um 1880 eingerissen wurde.
Von 1364 an bis etwa zur Mitte des 17. Jahrhunderts trug Bechhofen sogar die Bezeichnung „Stadt“. Später ist in allen Urkunden der Ort wieder als „Markt Bechhofen“ bezeichnet. Die Einwohner des Marktes Bechhofen behielten aber das Recht, sich – im Gegensatz zu Dorfbewohnern – weiterhin „Bürger“ zu nennen. 4)
Die Bürgerschaft von Bechhofen wies neben Kleinbauern oder Gütlern auch alle wichtigen Zweige des städtischen Handwerks auf. Schon 1442 ist die Existenz einer „Badstuben“, eines doch durchaus städtischen Attributs, erwähnt. 5) Und ebenso kann in späteren Jahren das Vorhandensein eines Zoll- und Weginspektors, einer Schranne und eines kaiserlichen Postamts gewertet werden. (Das Postamt wurde 1731 nach Feuchtwangen verlegt.)
Noch im Jahre 1807 zählte Pfarrer Johann Daniel Zinck von Königshofen, wohin Bechhofen bis zum Jahre 1902 gepfarrt war, in seiner „Beschreibung des Zustandes aller in der Pfarrei Königshofen befindlichen Orte“ für Bechhofen die folgenden städtischen Handwerker auf: Sattler, Gerber, Färber, Seiler, Kupferschmied, Lebküchner, Glaser, Häfner, Melber (= Müller), Schlosser, Nadelschmied und Knopfmacher. Eine Zusammenstellung von 1797, die die Gemeinde Bechhofen einem (vergeblichen) Gesuch um einen Justizbeamten anschloss, nennt außerdem noch drei Bäcker, zwei Schreiner, vier Metzger, einen Bader, acht Schuhmacher, drei Weber, sechs Schneider, einen Ziegler, einen Zeugmacher, einen Pergamenter (= Buchbinder), zwei Strumpfwirker, einen Posamentier, statt einen zwei Sattler und zwei Nagelschmiede sowie einen Tabern-Wirt mit Herbergsgerechtigkeit. 6)
Alle diese Handwerker bzw. Gewerbetreibenden waren in ihrem Wirken auf den Bedarf des Ortes selbst und seiner nächsten Umgebung eingestellt. Eine Ausdehnung der Gewerbetätigkeit war also nur bedingt möglich. Die Landwirtschaft andererseits krankte unter ungünstigen Bodenverhältnissen, war zudem meist zersplittert in Klein- und Kleinsthöfe und somit nicht in der Lage, den Ort voranzubringen. Für ein Gewerbe wie die Pinselfabrikation, das in seinem Absatz weit über den lokalen Bereich hinausgreift und auch für den „unbekannten Markt“ produziert, waren dies allerdings recht günstige Start- und Entwicklungsbedingungen.
Die Einführung des Pinselmacherhandwerks zu Beginn des 19. Jahrhunderts brachte all denen, die von ihrer Landwirtschaft, von ihrem anderweitigen Handwerk oder von ihrem Handel mehr schlecht als recht lebten, und das waren zu jener Zeit fast alle, die Möglichkeit, auf den Beruf des Pinselmachers „umzusteigen“ oder, und das war wohl noch häufiger der Fall, zu dem angestammten Beruf noch nebenbei das Pinselmachen zu betreiben. Waren es am Anfang nur einige Familien, die sich mit dem Pinselmachen befassten und die die Geheimnisse ihrer Kunst vor anderen sorgfältig verborgen hielten, so dehnte sich doch dieser Gewerbezweig etwa ab der Mitte des 19. Jahrhunderts allmählich immer weiter aus und brachte Arbeit und Geld auch in andere Häuser. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts war dieses Gewerbe so ziemlich über den ganzen Ort verbreitet.
Auch die Gemeinde als Ganzes profitierte von dem bescheidenen Wohlstand ihrer Bürger. Im Jahre 1903 wurde der Ort durch die Nebenbahnlinie Ansbach – Wiedersbach – Herrieden – Bechhofen an das Eisenbahnnetz angeschlossen, nachdem der Ort schon in den Fünfzigerjahren des 19. Jahrhunderts wieder eine Poststelle erhalten hatte. Die Einwohnerzahl nahm ständig zu. Im Jahre 1861 zählte Bechhofen 667 Einwohner, 1880 waren es bereits 799. 7)  Um die Jahrhundertwende etwa waren es an die tausend Einwohner, in den Jahren 1939 bis 1971 hat sich die Zahl auf über 2500 nahezu verdoppelt.
Der Streifzug durch die Bechhofener Ortsgeschichte sollte nicht abgeschlossen werden, ohne dass der jüdische Teil der Bevölkerung erwähnt wird, der doch viele Jahrhunderte hindurch die Geschichte des Ortes ganz wesentlich mitbestimmte.
Schon frühzeitig fand sich in Bechhofen eine israelitische Kultusgemeinde zusammen. Die Synagoge, die sie sich um die Mitte des 16. Jahrhunderts schuf, galt als eines der wertvollsten israelitischen Gotteshäuser auf deutschem Boden. Von außen glich sie zwar einer Scheune, ihr Inneres aber steckte voller Kostbarkeiten. Die farbenprächtigen Malereien – Abbildungen des Tempels zu Jerusalem, verschiedene allegorische Darstellungen, die Abschriften ganzer Gesetzestexte an den Wänden – sollen von einem reisenden jüdischen Maler namens Salomo ben Elieses Sußman Katz stammen und in den Jahren 1727/28 gefertigt worden sein. 8)
Leider ist dieses wertvolle jüdische Gotteshaus, wie so viele andere in Deutschland, in der „Kristallnacht“ 1938 ein Opfer der nationalsozialistischen Herrschaft geworden. Dagegen gibt die ca. 2,5 ha große jüdische Begräbnisstätte auf einer Anhöhe im Nordwesten des Ortes, auf der schätzungsweise 8000 Menschen jüdischen Glaubens aus Bechhofen und der weiteren Umgebung ruhen, heute noch Kunde von der einst so ansehnlichen israelitischen Kultusgemeinde in Bechhofen, deren Angehörige in den Jahren zwischen 1700 und 1860 fast zwei Drittel der Gesamtbevölkerung des Ortes ausgemacht haben sollen. Der Bechhofener Judenfriedhof zählt zu den größten und ältesten israelitischen Begräbnisstätten in Deutschland. 9) Nach ihrer Vertreibung 1938 sind die Bechhofener Juden in alle Welt zerstreut worden. Von manchen Bechhofenern wird heute noch die Freundschaft mit ihren ehemaligen Mitbürgern bzw. deren Nachkommen gepflegt.
Ein wichtiger Einschnitt in die Geschichte Bechhofens ist mit der Gebietsreform in den Jahren 1971 bis 1974 verbunden. Es wurden die Gemeinden Großenried, Heinersdorf, Kaudorf, Königshofen a.d. Heide, Liebersdorf, Mörlach, Sachsbach, Thann, Waizendorf und Wiesethbruck in den Markt Bechhofen eingemeindet. So hat sich Bechhofen mit seinen rund 6500 Einwohnern heute zu einem wirtschaftlichen Mittelpunkt des hiesigen Siedlungsraumes entwickelt.
Dieser Entwicklung wurde in den vergangenen Jahren durch eine ganze Reihe öffentlicher Einrichtungen zur Versorgung der Bevölkerung Rechnung getragen, u.a. wurde die zentrale Wasserversorgung und die weitverzweigte Kanalisation mit Kläranlage ausgebaut, und die Verbandsschule mit Hallenbad und Sportgelände errichtet. Im Jahre 1975 ist die Partnerschaft mit der französischen Stadt Le Blanc entstanden; im gleichen Jahr wurde der Spielmannszug Bechhofen gegründet.

Die wichtigsten Ereignisse der letzten 20 Jahre in der chronologischen Übersicht:
11. Mai 1985:
Das erste Deutsche Pinselmuseum wird in der Gunzenhausener Straße eröffnet und am 17. Juni offiziell eingeweiht. 1997: Einweihung der Ballsporthalle am Schulgelände Bechhofen.
1998: Der Seniorenhof wird in Betrieb genommen. Die Bevölkerung stieg von 1987 bis 1998 um 826 Einwohner.
April 2000: Bechhofen erhält als eine von fünf Kommunen in Bayern ein Europadiplom. Diese Auszeichnung wird vom Europa- Parlament in Straßburg vergeben.
September 2001: 650-jähriges-Marktjubiläum. Im Jubiläumsjahr fanden mehrere kulturelle Veranstaltungen statt, die mit einem großen Festumzug und Feuerwerk im September endeten. Ein Fest- und Heimatbuch wurde herausgegeben.
Januar–August 2003: In den Jahren 1986 bis 2003 wurden in Bechhofen 11 Verfahren im Rahmen der ländlichen Neuordnung und Dorferneuerung durchgeführt. Sie brachten eine immense Aufwertung für Bechhofen und die Gemeindeteile.
Juli/August 2003: Für eine „nachhaltige Gemeindeentwicklung“ erhält der Markt Bechhofen den Bayerischen Staatspreis.

     
 1) Braun, Bechhofen in Mittelfranken, Ansbach 1905, S. 5 und 13. 4) Braun, a.a.O., S. 13/14 7) Fischer, Die Pinsel- und Bürstenindustrie unter besonderer Berücksichtigung von Bechhofen in Mittelfranken, Horb 1950, S. 11
2) Braun, a.a.O., S. 42 5) Braun, a.a.O., S. 15 8) Feuchtwanger Nachrichten vom 9./10. Oktober 1965
3) Braun, a.a.O., S. 9-11 und S. 70 6) Braun, a.a.O., S. 12 9) Fischer, a.a.O., S. 13